Glossar

der wichtigsten Begriffe der "alten" und
der "neuen" Gestaltpsychologie

unter besonderer Berücksichtigung der visuellen Wahrnehmung

Die verbindliche Fassung der Neuen Gestaltpsychologie des Sehens ist die

 "Empiristic theory of visual gestalt perception.
Hierarchy and interactions of visual functions" (ETVG)

von L. Kleine-Horst (2001). Sie beruht auf der Übersetzung der um Theorie und Anwendung der Gestaltgesetze erweiterten deutschsprachigen Fassung (KH 1992a). Ein Glossar kann immer nur Teilaspekte behandeln. Es empfiehlt sich daher die vorherige Lektüre der zusammenfassenden Darstellung des Systems.

Abkürzungen:     

AG         = Alte Gestaltpsychologie, insbes. Berliner Schule
NG         = Neue Gestaltpsychologie, insbes. ETVG
Gf(n)      = Gestaltfaktor(en)
Gg(n)    = Gegebenheit(en);
KH         = Kleine-Horst, L.
Ev.st     = Evolutionsstufe
Sw       = Seinsweise
ETVG   = "Empiristic theory of visual gestalt perception" (KH 2001);

 

Stichwörter
(in nur einer einzigen grammatikalischen Form):

Aktivierung
Aktualgenese
Aktualisierung
Aktualisierungsschwelle
Aktuallyse >Aktualgenese
Antagonismus
Assoziation
Aufmerksamkeit
Deaktualisierung >Aktualisierung
Außersinnliche Wahrnehmung (ASW)
Bewusstsein
empiristisch/nativistisch
Erfahrung
Evolutionsstufe
expliziter mpliziter Lernprozess
Feld
Figur
Figurfaktoren
Figur/Form-Verhältnis
Figur/Grund-Verhältnis /
Figur/Umfeld-Verhältnis
Form
formative Wirkung des Gf
Formfaktoren
Funktionale Seinsweise
Ganzeigenschaft
Ganzheit (Ganzes)
Gestalt
Gestaltfaktor
Gestaltfunktion
Gestaltgesetz
Gestaltort
Gestaltpsychologie
Gestaltqualität
Gestaltreiz
Gestalttendenzen
Gestalttheorie
Gestaltwahrnehmung
Grund >Figur/Grund-Verhältnis
Gruppierungsgesetz
"gute Gestalt"
Hierarchie
ico-system
implizit/explizit
Infeld
informative Wirkung des Gf
Isomorphie
Komplementarität
Konstanzannahme
Kontiguität
Kontingenz
Kontur
Korrelation
Leib-Seele-Problem
materiale Seinsweise
Neurophysiologie des Gf
normative Wirkung eines Gf
Ontogenese
ordinaleSeinsweise
Orientierungsfaktoren
Persönlichkeitsschicht
Perzept
phänomenale Seinsweise
phänomenale Wirkung eines Gf
Polarität
Prägnanz
Prägnanztendenz
Psychophysisches Niveau
Qualitätsdimension
Quantitätsfaktor
Reiz
Seinsbereich  =>Seinsweise
Seinsweise
Sinnesreiz >Reiz
Struktur
Subfaktor
Transponierbarkeit
Übersummativität
Umfeld
Umkehrgesetz >Gestaltgesetz
Wahrnehmungsfeld
"Welt"
Wirklichkeit

Aktivierung
AG:
---
NG: = die Anregung eines >Gestaltfaktors, d.h. die Senkung seiner >Aktualisierungsschwelle. Eine gegenüber einem vorherigen Zustand stärkere A. kann experimentell dadurch festgestellt werden, dass es eines geringeren >Sinnesreizes oder >Gestaltreizes oder geringerer Aufmerksamkeitszuwendung bedarf, um eine >Aktualisierung des Gf und damit das Inerscheinungtreten seiner spezifischen >Gestaltqualität zu erreichen.

Aktualgenese
AG:
= die stufenweise Differenzierung des Perzepts. Sie wurde im Institut von Friedrich Sander von Erich Wohlfahrt (1925/32) erstmals systematisch experimentell untersucht. Sie ergab sich, wenn ein optisches Reizmuster zunächst in sehr kleinem und dann in laufend größerem Abbildungsmaßstab dargeboten wurde. Sander brach jedoch bald die auch mit anderen Methoden und ähnlichen Ergebnissen gemachten Experimente ab; sie widersprachen seiner Theorie (KH 1992b). Im Forschungskatalog des mainstream ist die A. der Wahrnehmung nie aufgetaucht. Deshalb spielen diese fundamentalen Phänomene des Sehens auch in der AG keine Rolle
NG: = die >Aktualisierung der >Gf->Hierarchie "von unten nach oben". Sie findet vorbewusst in der >funktionalen Seinsweise statt und kann in der >phänomenalen Seinsweise als Differenzierung des >Perzepts zum >Bewusstsein kommen. Der Gegenprozess, die Aktuallyse, beruht auf einer De-Aktualisierung der Gf-Hierarchie "von oben nach unten" und wird als eine stufenweise Entdifferenzierung des Perzepts erlebt. (Viele Bildbeispiele in KH 2004, und ein Beispiel  hier )

Aktualisierung
AG:
---
NG: die >Aktivierung eines >Gestaltfaktors durch einen >Reiz in einer solchen Stärke, dass die >Aktualisierungsschwelle des Gf. überschritten wird. Mit der A. entsteht das spezifische (phänomenale) Korrelat des (funktionalen) Gf: eine bestimmte >Gestaltqualität, die ins stets >ganzheitliche >Perzept eingefügt wird. Beispiel: Erst wenn der Gf "Ll" aktualisiert worden ist, kann der Mensch z.B. eine Reihe von Punktreizen als eine "Linie" (von Punkten) erleben, die zwei >"Felder" voneinander trennt.

Aktualisierungsschwelle
AG: ---
NG:
diejenige Mindeststärke eines Reizes (eines >Sinnesreizes oder >Gestaltreizes), die notwendig ist, um einen >Gestaltfaktor zu >aktualisieren, d.h. "überschwellig" zu >aktivieren. Es gibt keine absolute A.; jede A. ist eine relative Größe, d.h. lässt sich nur als Größe eines einzelnen Reizparameters in Bezug auf eine bestimmte Reizsituation angeben und "unter sonst gleichen Umständen", zu denen auch die Stärke der >Aufmerksamkeitszuwendung gehört.

Antagonismus
AG:
---
NG:
= Beziehung der zwei >Gestaltfunktionen zueinander, in denen die >Gestaltfaktoren der >Figur/Umfeld-Wahrnehmung >aktiviert bzw. >aktualisiert werden. Den >antagonistischen Gestatlfunktionen der >funktionalen Sw entsprechen in der >phänomenalen Sw  ihre je zwei einander >polaren >Gestaltqualitäten.

Assoziation
Es gab vor und z.Z. der AG Assoziations-Theorien, nach denen zwei Vorstellungsbilder derart miteinander verbunden sind, dass, wenn das eine auftritt, auch das andere ins >Bewusstsein tritt.
AG: Diese Art des Zusammenschlusses wurde als alleinige oder auch nur hauptsächliche Ursache der Gestaltwahrnehmung abgelehnt.
NG: Der Begriff der A. wird wieder eingeführt, doch nicht als A. von Ggn des >Bewusstseins, also der >phänomenalen Seinsweise, sondern von Ggn der >funktionalen Seinsweise. Da nach der >empiristischen Grundannahme der NG alle >Gestaltfunktionen auf Grund ein und desselben Lerngesetzes als Beziehungen und Beziehungsbeziehungen eingeprägt worden sind, stehen sie assoziativ miteinander in Verbindung derart, dass, wenn die eine Gestaltfunktion >aktiviert wird, auch sämtliche anderen Gestaltfunktionen (mehr oder weniger stark) aktiviert werden. Das gilt vor allem für diejenigen Gestaltfunktionen, die aus ein und demselben Lernmaterial entstanden sind, also entweder aus den Beziehungen zwischen den Erregungen der Photorezeptoren oder aus den Beziehungen zwischen den Augenmuskel-Innervationen (>impliziter Lernprozess) Diese gegenseitigen assoziativen Verknüpfungen ergeben allein auf den untersten 5 Stufen der Hierarchie aus 17 Gestaltfaktoren plus >Aufmerksamkeitszuwendung insgesamt 18x18=324 Einflussbeziehungen, d.h. >Gestaltgesetze.

Aufmerksamkeit
AG:
Die A. wird vor allem zum Thema "Aufmerksamkeits-Theorien" abgehandelt, die abgelehnt werden, weil sie die A. als einzige oder auch nur vorwiegende Kraft ansehen, die den Zusammenschluss der Teile zu einem Ganzen bewirken. Welche Bedeutung die A. für die Wahrnehmung tatsächlich hat, wurde nicht untersucht.
NG: Die Funktion der Aufmerksamkeit in der Wahrnehmung beschreibt Neisser (1974, S. 117): "Aufmerksamkeit ist einfach die Zuweisung von Mechanismen der Analyse zu einem begrenzten Teil des Wahrnehmungsfeldes." Die "Mechanismen der Analyse" sind nach der NG die Gestaltfaktoren. In KH 1992a (S. 47-50) wurden 10 Aspekte der Aufmerksamkeit aufgeführt, die sich aus der Alltagserfahrung eines jeden Menschen ergeben:  A. ist stets A-Zuwendung auf etwas. Sie kann willkürlich oder unwillkürlich erfolgen. Sie  besitzt eine gewisse Stärke. Je stärker sie sich einem Etwas zuwendet, um so genauer nehme ich dieses Etwas wahr; Je mehr sie sich von etwas abwendet, um so ungenauer nehme ich es wahr. Es gibt einen räumlichen A.-Gradienten, d.h. die auf ein Objekt  entfallende A. verringert ist nach Maßgabe des Abstands des Objekts vom Fokus der Aufmerksamkeitszuwendung, z. B. dem Blickpunkt. Je länger ich meine A. einem Objekt zuwende, um so mehr "erlahmt" sie, d.h. um so schwächer wird sie. Je geringer die A-zuwendung auf ein Objekt ist (oder wird), um so eher "springt" sie auf ein anderes Objekt. Diese und andere Aufmerksamkeitsaspekte gehen in der NG in die mit der A. verbundenen >Gestaltgesetze ein (in denen die A. formal wie ein >Gestaltfaktor behandelt wird, obwohl sie von ganz anderer Art ist.).

Außersinnliche Wahrnehmung (ASW)
AG: Erwähnung von ASW-Fakten oder Theorien ist nicht erfolgt und wegen ihrer neurophysiologischen Grundannahmen auch nicht möglich
NG: Es wird nachgewiesen, dass die Verarbeitung der ASW-Informationen nach demselben Muster, d.h.  auf Grund der >Aktualgenese derselben funktionalen Hierarchie zu Perzepten werden, wie die SW-Informationen. (Siehe Gestaltpsychologischer ASW-Test). Die Frage, wie die ASW-Informationen aufgenommen werden, bleibt dagegen immer noch offen.

Bewusstsein
AG+NG:
= Erleben (experience), subjektive Phänomene
AG: Es wird nicht zwischen Wahrnehmungs-B. und geistigem B. unterschieden
NG: = der Inhalt der >phänomenalen Sw., in der psychisches oder Wahrnehmungsbewusstsein (PC) von dem auf diesem aufbauenden geistigen (mentalen) Bewusstsein (ICC) unterschieden wird. Nach der NG entsteht B. stets durch >Aktualisierung von Gedächtnisinhalten; Die Aktualisierung von >implizit erworbenen Gedächtnisinhalten führt zu psychischem Bewusstsein (PC), die von >explizit erworbenen zu geistigem B. (ICC).

empiristisch / nativistisch
Diese Alternative betrifft - letztlich - die Frage nach Entstehung, Ursprung, Herkunft der übersummativen Erlebensqualitäten, z.B. der >Gestaltqualitäten.
AG: Die AG beruht auf einer nativistischen Grundannahme. Eine vorbiologische Erklärung von Köhler (1940), nach der sich die erlebte Wahrnehmungs->Gestalt aus gleichgestalteten elektrischen Gehirnströmen ergebe (>Isomorphie-Theorem), wurde fallen gelassen, nachdem die Überprüfung seiner "Strömchentheorie" ergeben hat, dass es solche Gehirnströme nicht gibt. Nach Metzger (1966, S. 737-741) muss es sich um vererbte stammesgeschichtliche Erwerbungen handeln, denn gegen die Annahme individueller Erwerbungen spreche "die Menge der erfahrungswidriger Gliederungen".
NG: Die NG beruht auf eben dieser von der AG abgelehnten empiristischen Grundannahme. Allerdings werden nach ihr nicht die >Erfahrungen i.S. der AG, nämlich die (phänomenalen) Erlebnisse, im Gedächtnis gespeichert, sondern die funktionalen Bedingungen des Erlebens. Diese befinden sich in der >funktionalen Seinsweise, die der AG unbekannt war (und der heutigen Wahrnehmungswissenschaft unbekannt ist). Sie werden nach dem >Kontiguitätsprinzip auf Grund eines in Vergessenheit geratenen Lerngesetzes abgeleitet, und zwar als >hierarchisch eingeprägte Beziehungen und Beziehungs-Beziehungen

Die auf diese Weise in den ersten Lebenswochen und -monaten des Babys >implizit und individuell erworbenen Gedächtnisinhalte wirken als >Gestaltfaktoren (bzw. >Gestaltfunktionen) und sind >assoziativ derart miteinander verknüpft, dass der eine den anderen >aktualisieren, verstärken oder abschwächen kann, woraus sich eine große Zahl von >Gestaltgesetzen, d.h Einflussbeziehungen, ergibt.

Erfahrung
AG:
= "getreu der Überlieferung im Sinne einer Zusammengefaßtheit, die im Einzelleben schon häufig vorgekommen ist..... Gottschaldt (1926) hat versucht, entsprechende Erfahrungen durch z.T. Hunderte von Malen wiederholter Darbietung ......experimentell zu stiften und zu prüfen, ob die eingeprägten Figuren in umfassenderen Konfigurationen mit abweichenden Untergliederungstendenzen als 'natürliche Teile' herausspringen. Dies war...nicht der Fall." (Metzger 1966, S.711f). Hiernach ist klar, dass für die AG "Erfahrung" ein >phänomenologischer Begriff ist, der sich auf im >Bewusstsein ablaufende Vorgänge bezieht.
NG: Entgegen der AG-Auffassung können Lernprozesse sowohl im Bewusstsein vonstatten gehen, nämlich in der >phänomenalen Seinsweise der >mentalen >Evolutionsstufe (ICC), als auch in der vorbewussten >funktionalen Seinsweise der >psychischen Evolutionsstufe (PF), nicht aber in der phänomenalen Seinsweise der psychischen Evolutionsstufe, d.h. in der Welt PC des Wahrnehmungserlebens. Die Ergebnisse der in der phänomenalen Seinsweise in der Welt ICC gewonnenen Lerneffekte u.a. von Gottschaldt sind also kein Argument gegen die empiristische ETVG der NG, nach der die Hierarchie der als >Gestaltfaktoren wirkenden Gedächtnisinhalte ausschließlich in der funktionalen Seinsweise in der Welt PF entstanden ist bzw. entsteht. Phänomenale Lernerfahrungen können (in ICC) erst gemacht werden, nachdem die Phänomenbedingungen (in PF) funktional und somit unbewusst erlernt worden sind (s. auch Abb. 3).

Evolutionsstufe
AG: ---
NG:
Ein fundamentaler Begriff des AWM: Die >Wirklichkeit wird "vertikal" in vier E. unterteilt gedacht, (von "unten nach oben") die kosmische, biologische, psychische und mentale E. (s. Abb. 2). Da das AWM eine die ETVG übergreifende Theorie darstellt, gelten ihre Grundannahmen über die >Struktur der >Wirklichkeit auch für die Neue Gestaltpsychologie des Sehens; denn visuelle Wahrnehmung verläuft vorwiegend in der biologischen und psychischen Evolutionsstufe (bzw. >Persönlichkeitsschicht) und damit in der > materialen, >funktionalen und >phänomenalen Seinsweise.

Feld
AG:
umgangssprachlich und synonym mit "Fläche", "Bereich", "Gebiet"  verwendet. (Metzger 1966: "Welcher der  aneinandergrenzenden Feldbereiche Figurcharakter annimmt,...(S. 715) "Die Grenzen voneinander abgehobener Flächen werden..." (S. 732), "viruelle Umrißlinien in gleichmäßig gereizten Gebieten..." (S. 718) (s.auch >Umfeld, >Grund, >Figur-Grund-Verhältnis, aber auch >Wahrnehmungsfeld
NG: = eine >Gestaltqualität der 4. Stufe und die zur "(Grenz)Linie" polare Qualität; die Linie grenzt zwei Felder voneinander ab. Auf der 5. Stufe erscheinen die beiden Felder als >Infeld, das vom Umfeld, dem anderen Feld jenseits der Linie, und von dieser, der "(Umschließungs)>Kontur", umschlossen wird.

Figur
AG+NG:
= ein Teil des >Wahrnehmungsfeldes, das sich vom restlichen (zumindest von einem größeren und die Figur umschließenden) Wahrnehmungsfeld durch eine >Kontur (Grenzlinie) absetzt. Beispiel: der Mond am Himmel oder ein Rotweinfleck auf dem Hemd.   
NG:  Eine F. besteht aus einem >Infeld, das von einer >Kontur umschlossen wird. Es gibt keine Figur als einzelne Wahrnehmungsgegebenheit, es gibt nur eine "Figur in ihrem Umfeld", wobei das >Umfeld seinerseits die Figur umschließt. Die "Figur in ihrem Umfeld" repräsentiert ein "Objekt in seiner Umgebung". >Figur-Umfeld / Figur-Grund-Verhältnis, >ico-system,.

Figurfaktoren
AG: --
NG:
die Gestaltfaktoren der Stufen 1 bis 5, die die Figur/Umfeld-Wahrnehmung besorgen. >Formfaktoren

Figur/Form-Verhältnis
AG:
Wie Metzger (1966, S. 696f) berichtet, erkannte schon v. Ehrenfels, "daß Gestalt bzw. Form eine Sekundärkategorie ist, der als Primärkategorie die Zusammengefaßtheit bzw. die Ausgrenzung vorausgeht". Mit "Zusammengefaßtheit" und "Ausgrenzung" charakterisiert er das Phänomen >"Figur"; Form wird also als etwas erkannt, das der Figur zusätzlich zukommt. Die AG zieht aus dieser Erkenntnis aber keine Folgerungen für ihre Theorie, weder die Vertreter der Berliner Schule (wie Wertheimer, Köhler, Koffka, Metzger) noch die Vertreter der Leipziger Schule (wie Krueger, Sander, Volkelt).
NG: In der NG sind Figur und Form grundverschiedene Phänomene; Figuren bilden sich aus den Gestaltfaktoren der untersten 5 (bzw. 6) Hierarchiestufen; Formen entstehen aus den Gestaltfaktoren der 7. bis 10.Stufe. Die Formbildung geschieht hierarchisch oberhalb bzw. "nach" der Figurbildung; die Figurbildung "geht" in der Tat der Formbildung "voraus", >ontogenetisch wie >aktualgenetisch. Die Gestaltfaktoren der Figurwahrnehmung und die der Formwahrnehmung entstehen ontogenetisch zwar auf Grund des gleichen >impliziten Lerngesetzes, aber das Lernmaterial ist völlig unterschiedlich. Eine Figur kann eine Form haben, muss es aber nicht. Hierdurch drückt sich ein hierarchisches Verhältnis zwischen beiden derart aus, dass die Form eine Stufe über der Figur angesiedelt ist.

Figur/Grund-Verhältnis
Figur/Umfeld-Verhältnis
AG+NG:
Es ist eine phänomenale Tatsache, dass das "neben" der Figur wahrgenommene Feld sich oft in der 3. Dimension "hinter" der Figur als deren Hintergrund oder "Grund", weiter fortzusetzen scheint. Ebenso ist es eine phänomenale Tatsache, das dies oft nicht der Fall ist, dass dann also das Feld "neben" der Figur die Figur umschließt und somit zusammen mit der Figur in einer (2-dimensionalen) Ebene wahrgenommen wird. Die phänomenologisch geeignetere Bezeichnung würde in diesem Fall "Umfeld" sein.
1. Die AG spricht  trotz des doppelten phänomenalen Tatbestandes stets vom Figur/Grund- Verhältnis", ohne ihre Wahl zu begründen.
2. Der Grund wird in der AG außerdem als >Bezugssystem für die Figur und somit beide in einem bestimmten hierarchischen Verhältnis zueinander angesehen (Metzger 1966, S.693).
3. Figur und Grund (Umfeld) werden zwar als irgendwie zusammengehörig aufgefasst, ohne diesen Umstand allerdings theoretisch weiter zu berücksichtigen. "Alle Gesetze der Gruppierung sind zugleich Gesetze der Aussonderung, der Trennung und der Zerreißung; beides erfolgt in einem und demselben Vorgang" (Metzger 1954, S.115).
NG: Zu 1: Es wird zwischen Figur/Umfeld- und Figur/Grund-Verhältnis unterschieden. Wenn in der ETVG ausgiebig das Figur/Umfeld-Verhältnis behandelt wurde, so deswegen, weil es sachlogischen Vorrang hat. Zunächst müssen die Wahrnehmungsbeziehungen in der Ebene  verstanden werden, denn die optische Projektion der dreidimensionalen Objekte auf die (einäugige) Retina ist 2-dimensional. Die 3. Dimension (Tiefe) ist dabei verloren gegangen; sie muss in einem späteren, gesonderten und auf einer hierarchisch höheren Stufe verlaufenden Vorgang  und unter Heranziehen des zweiten Auges für das Wahrnehmungserleben gleichsam in die Objektwelt "rückprojiziert" werden. Deswegen werden in  der ETVG zunächst die 2-dimensionalen Beziehungen aufgeklärt. (Die  Gestaltfaktoren für die Tiefenwahrnehmung und ihre hierarchischen Orte werden jedoch schon mit angegeben.)
Zu 2: Es trifft nicht zu, dass nur das Umfeld (gleichgültig ob als 2- oder 3-dimensional aufgefasst bzw. wahrgenommen) Bezugssystem für die Figur ist; umgekehrt ist auch die Figur Bezugssystem für das Umfeld; insofern besteht keine hierarchische Beziehung zueinander. Man versuche, sich eine Figur ohne Umfeld vorzustellen oder zu zeichnen; es geht nicht. Ebenso ist nicht möglich, ein Umfeld sich vorzustellen oder zu zeichnen ohne die Figur, in Bezug auf die sie "ihr" Umfeld ist. Figur und Umfeld sind >polare Qualitäten einer einzigen >Qualitätsdimension, genauer: polare >Gestaltqualitäts-Komplexe, denn es sind insgesamt 6 Gestaltfaktoren an ihrer Konstituierung beteiligt. Diese Fakten der Polarität zwischen den Gestaltqualitäten sind nicht nur der AG, sondern der gesamten Wahrnehmungswissenschaft entgangen.
Zu 3. Diese Polarität von Figur und Umfeld, die auf der >antagonistischen >Aktualisierung ein und desselben >Gestaltfaktors in "einem und demselben Vorgang" beruht, ist es, die den Zusammenhang von Figur und Umfeld ausmacht. Aber nicht nur zwischen Figur und Umfeld besteht >Polarität, auch zwischen >Infeld und >Umfeld, zwischen >Kontur und Umfeld sowie zwischen Kontur und Infeld. Wir haben es mit einem dreigliedrigen >System zu tun, das aus Infeld (i), Kontur (c) und Umfeld (o) besteht (>"ico-system"). Das wird von der AG nicht gesehen.

Form
AG:
= gemäß dem Alltags-Sprachgebrauch soviel wie ">Gestalt" oder "Muster", d.h. ein in seinen räumlichen oder/und zeitlichen Beziehungen beschreibbarer Wahrnehmungsinhalt. Auch die Beschreibung selbst erfolgt in Ausdrücken der Alltagssprache. (s. Metzger 1966, S. 697: "Gestalt bzw. Form.....")
NG: Sprachgebrauch ähnlich wie AG. Die Beschreibung jedoch erfolgt in der spezifischen Wissenschaftssprache der ETVG, d.h. in den Beschreibungsbegriffen der >Gestaltqualitäten als der abhängigen Korrelate der >Formfaktoren, die hierarchisch oberhalb der >Figurfaktoren angesiedelt sind. (s. auch Figur/Form- Verhältnis)

formative Wirkung eines Gf.
AG: ---
(=>Prägnanztendenzen in der Berliner Schule und =>Gestalt(ungs)tendenzen in der Leipziger Schule der  Gestaltpsychologie)
NG: Die f.W. eines Gestaltfaktors besteht darin, dass dieser in der phänomenalen Sw. die Beziehungen zwischen den >Sinnesreizen in Richtung auf die erlernten Durchschnittsbeziehungen zwischen ihnen "verformt", so dass andere Beziehungen erlebt werden als diejenigen, die zwischen den Sinnesreizen bestehen. Siehe auch >informative W, >normative W sowie den Oberbegriff >phänomenale Wirkung.

Formfaktoren
AG: ---

NG: =>Gestaltfaktoren, die die  >Form einer >Figur wahrnehmen lassen. Sie sind auf den Stufen 8 bis 10 der Gestaltfaktoren- >Hierarchie angesiedelt und werden nach ihrer >normativen Wirkung als Erstrecktheit (E), Orientiertheit (O), Geradheit (S), Maßgleichheit (M), Rechtwinkligkeit (R+) und Parallelität (R-) bezeichnet.

Funktionale Seinsweise (Sw)
AG: ---
NG:
= die "zwischen" der >materialen Sw (Materie) und der >phänomenalen Sw (Bewusstsein) gelegene Sw. Sie umfasst wie jede Sw. zwei >Evolutionsstufen; es sind dies im Falle der funktionalen Sw die biologische und die "über" ihr befindliche psychische Ev.st. (Siehe auch: >Leib-Seele-Problem) Die "Entdeckung" der  f.S. ist die größte Herausforderung für Philosophie und Psychologie

Ganzeigenschaft
AG: "
Das Gesetz des Zusammenschlusses ist also erst in Teilbereichen enthalten, die mindestens 3 bis 4 Elemente umfassen. Für Ganzeigenschaften wie Symmetrie, Geschlossenheit, Gleichgewicht usw. ist aber jene Zurückführung auf Einzelbeziehungen überhaupt nicht mehr möglich" (Metzger 1954, S. 111f)
NG: --- (Einen Begriff G. gibt es in der NG nicht. Um "Geschlossenheit" zu erleben, bedarf es zwar nicht mehrerer "Elemente" im Sinne von Einzelreizen, die sich zu einer "Gruppe" zusammenschließen, doch bedarf es einer ganzen Anzahl von Beziehungen, denn "Geschlosenheit" ist eine Beziehung auf der 5. Stufe der Gf-Hierarchie. >Symmetrie"-Erleben erfordert sogar noch mehr Beziehungen; es ist erst auf der 10. Stufe möglich.

Ganzheit (Ganzes)
AG+NG:
"Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile" (>"Übersummativität"), - so lautet die weitverbreitete und akzeptable "Definition". "Ein 'Zusammen' ist dann und nur dann eine reine 'Summe' von 'Teilen' oder 'Stücken', wenn es aus ihnen, und zwar einem nach dem anderen, hergestellt werden kann, ohne daß infolge der Zusammensetzung einer der 'Teile' sich ändert" (Köhler 1920, S. 42). So ist ein wahrgenommenes Umriss-Quadrat mehr als die vier wahrgenommenen Linien, aus denen es besteht. Das "Mehr" besteht hier aus der bestimmten räumlichen Anordnung dieser Linien. >Gestaltpsychologie, >Gestaltqualität, >Übersummativität

 Gestalt
AG
: = >Form, auch i.S: von  "geformter Figur", aber mit der Betonung von "geformt". Nicht wirklich i.S. von >"Figur", denn nie wird von "Gestalt/Grund-Verhältnis gesprochen, stets von >"Figur/Grund-Verhältnis". Eine 2. Bedeutung von "Gestalt" beruht auf der zu beobachtenden Tendenz, in der visuellen Wahrnehmung u.a. mehr regelmäßige, symmetrische, einfache, geradlinige, vertikal/horizontal ausgerichtete Formen zu erleben, als es den Sinnesreiz- Beziehungen entspricht (>"gute Gestalten"). Eine regelrechte Inflation von "Gestalt"-Wörtern, die jede Möglichkeit nimmt, das Wort "Gestalt" als einen wissenschaftlichen Begriff anzusehen, stammt von Friedrich Sander (KH 1992b), wurde aber von anderen Gestalt- und Ganzheitspsychologen nie beanstandet.
NG: "Gestalt" wird nicht als Substantiv, sondern nur im Anfang zusammengesetzte Wörter mit definierter Bedeutung verwendet: >Gestaltfaktor, >Gestaltfunktion, >Gestaltgesetz, >Gestaltort, >Gestaltpsychologie, >Gestaltqualität, >Gestaltreiz und >Gestaltwahrnehmung.

Gestaltfaktor
AG:
= ein Faktor unbekannter Art, der eine als >(Gestalt)gesetz oder >Gruppierungsgesetz bezeichnete dahingehende Wirkung ausübt, dass eine bestimmte Beziehung zwischen Einzelreizen zur Wahrnehmung einer >Ganzheit - d.h. einer Gruppe oder einer geschlossenen >Figur - führt.
NG: = eine Gg der >funktionalen Seinsweise auf der psychischen >Evolutionsstufe. Ein Gf weist u.a. folgende Charakteristika auf:

  1. Er ist ein in den ersten Lebenswochen >implizit erworbener Gedächtnisinhalt.
  2. Er führt bei seiner >Aktualisierung seine spezifische >Gestaltqualität ins >Perzept ein.
  3. Er befindet sich zu den anderen Gfn. in einer bestimmten >hierarchischen Beziehung.
  4. Je tiefer in der Gf-Hierarchie er angesiedelt ist, um so eher wird er aktualisiert, so dass sich (unter bestimmten Bedingungen) das >Perzept in Form einer >Aktualgenese über mehrere Stufen entwickelt.
  5. Alle Gfn, die auf Grund der Einprägung des gleichen Materials entstanden sind, sind derart miteinander und mit dem Faktor >Aufmerksamkeitszuwendung >assoziiert, dass jeder Faktor jeden anderen in gewissem Grade >aktivieren kann. Auf diese Weise sind von den 17 Gfn der Stufen 1 bis 5 plus Aufmerksamkeit 18x18=324 Einflussbeziehungen (=>"Gestaltgesetze") ableitbar, auf Grund derer eine ungeheure Menge von Wahrnehmungsfakten (im Prinzip alle) erklärt werden kann. ("Gestaltgesetz" ist also nicht identisch mit "Gestaltfaktor" wie in der AG.)
  6. Ein Gf. übt eine drei-(bzw. vier-)fache >phänomenale Wirkung aus.
  7. Seine generelle Funktionologie ist identisch mit der generellen Funktionologie des Neurons. (>Neurophysiologie)

Gestaltfunktion
AG: ---

NG: Die 17 >Gestaltfaktoren der untersten fünf Hierarchiestufen treten in zwei >antagonistischen Gestaltfunktionen auf, die zwei >polare >Gestaltqualitäten produzieren. Bei dieser differenzierteren Sichtweise entspricht dem Gestaltfaktor also nicht eine einzige Gestaltqualität, sondern eine >Qualitätsdimension mit zwei Gestaltqualitäten, die abhängige Korrelate seiner zwei Gestaltfunktionen sind.

Gestaltgesetz
AG:
auch "Gruppierungsgesetz" oder "Gliederungsgesetz" genannt, d.h ein Gesetz "der Gliederung  von Wahrnehmungsfeldern" (Metzger 1966, S. 699). Die AG kennt praktisch nur zwei Klassen von Gestaltgesetzen, nämlich den Einfluss von Reizbeziehungen auf die räumliche und auf die zeitliche Gruppen- bzw. Figur-Bildung - siehe >Gestaltfaktor. Das "Gesetz der Nähe" (oder der "Faktor der Nähe") beispielsweise besagt, dass zwei Reize, die näher beieinander befindlich sind, leichter als "zusammengehörig" erlebt werden, d. h. eine phänomenale >Figur oder Gruppe bilden, als zwei weiter auseinander befindliche Reize:  Beispiel: .. .. .. .. .
NG:
Die NG kennt 18 Klassen von Gestaltgesetzen, entsprechend der Anzahl der >Gestaltfaktoren der STufen 1 bis 5 incl. >Aufmerksamkeit. Der großen Anzahl wegen wurden die G. formalisiert. Beispiel: das "Gesetz der Nähe" lautet: dlic Flic (in Worten: "Je kleiner der räumliche Abstand dl zwischen zwei Reizen c, gemessen über das Feld i, um so mehr werden sie als eine >Figur (Flic), d.h. eine aus Kontur (c) und dem von dieser umschlossenen (Fl) Feld (i) bestehende Ganzheit, erlebt" (siehe auch >Gestaltort).
Jedem G entspricht ein "Umkehrgesetz" (was in der AG unbekannt ist), in dem die umgekehrte Einflussbeziehung ausgedrückt wird, so z.B.: Flic dlic, in Worten; "Je mehr auf der Reizseite eine Linie (Kontur) ein Feld (Infeld) umschließt (=Figur), um so kleiner erscheinen innerhalb des Infelds die räumlichen Abmessungen, d.h. auch die Abstände der Konturen über das Infeld hinweg, d.h., die Figur erscheint "kleiner" als sie reizmäßig "ist".
Auch zwischen dem Infeld (bzw. der Figur als der Infeld-Kontur-Ganzheit) und dem dieses umschließenden >Umfeld besteht eine gesetzmäßige Beziehung, die sich z.B in der Form "Dlo dlic" ausdrückt, in Worten: "Je größer das Umfeld, um so kleiner die Figur." Beispiel: Die Mondtäuschung: im Zenit, d.h. innerhalb eines großen Umfelds, erscheint der Mond "klein". Am Horizont erscheint er "groß", denn hier ist das ihn umschließende Umfeld (der Himmel) nur etwa halb so groß; es wird von den Linien (Silhouette) des Horizonts begrenzt ("dlo Dlic").

Gestaltort
AG: ---
NG:
der "Ort" des Reiz- und des Wahrnehmungsgeschehens, ausgedrückt in Begriffen der ETVG. Er ist bei der Formulierung von >Gestaltgesetzen unbedingt zu berücksichtigen; denn die Wirkung einer Reizbeziehung z.B. auf ein >Umfeld ist genau entgegengesetzt zur Wirkung derselben Reizbeziehung auf das zu diesem Umfeld gehörende >Infeld (auf der 5. Stufe der >Gestaltfaktoren- >Hierarchie). Gleiches gilt für die anderen Paare >polarer >Gestaltqualitäten, z.B. für die an >komplementären Orten befindlichen "Grenzlinie" (Ll+) und >"Feld" (Ll-) auf der 4. Stufe. (Näheres nur in der ETVG)

Gestaltpsychologie (des Sehens)
AG+NG: = die Wissenschaft von der visuellen Wahrnehmung, insofern diese >"ganzheitlich" ist, d.h. "mehr als die Summe ihrer Teile" (>"Übersummativität"). Es sind "die aller Wahrnehmung zugrunde liegenden Verhältnisse zwischen Mehrerem zwar in der geschilderten Weise entscheidend wirksam..., aber ohne dabei notwendig selbst wahrgenommen zu werden" (Metzger 1954, S. 114). Es ist "ausgeschlossen..., die - sei es anschauliche, sei es gedankliche - Erfassung von Beziehungen oder Verhältnissen zwischen Paaren von 'Empfindungskomplexen' als Grundvorgang der Wahrnehmung anzusetzen" (a.a.O, S. 117)
NG: Auch die Aussage im letzten Zitat wird von der NG akzeptiert. Wichtig ist der Grund für diese Akzeptanz: Anschauliches und gedankliches Erfassen von Beziehungen sind nur in der >phänomenalen Seinsweise möglich, das anschauliche Erfassen in der >Welt PC auf der psychischen und das gedankliche Erfassen in der Welt ICC auf der geistigen Ev.st. Als Grundvorgang der Wahrnehmung gilt in der NG hingegen das nicht-anschauliche und nicht-gedankliche Erfassen von Beziehungen zwischen Erlebtem in der >funktionalen Sw., und zwar auf der psychischen Ev.st, und damit in der Welt PF.

Gestaltqualität
AG+NG:
= eine phänomenale (Erlebens-)Gg, in der sich Anordnungsbeziehungen zwischen den ihnen zugrunde liegenden Ggn äußern. Der Begriff stammt von Christian von Ehrenfels.
AG: Bei den "zugrunde liegenden Ggn" handelt es sich ebenfalls um Erlebens-Ggn, deren Anordnungsbeziehungen zueinander freilich nicht ebenfalls erlebbar sind.
NG: Bei den "zugrunde liegenden Ggn" handelt es sich um >funktionale Ggn, die ihrerseits auf funktionalen Beziehungen beruhen. Als funktionale Ggn sind sie selbst nicht-erlebt, sie sind vielmehr Bedingungen des Erlebens (s. >Struktur), nämlich spezifische >Gestaltfunktionen (-faktoren), die erst bei ihrer >Aktualisierung ihre je spezifischen  >"Gestaltqualitäten" ins >Perzept geben.

Gestaltreiz
AG: ---
(nur >Sinnesreize werden - im Verein mit angeborenen >Gestaltfaktoren - als Verursacher  von Wahrnehmungserleben anerkannt)
NG:  = Outputs von Gfn je niedrigerer >Hierarchiestufe, die einen >Gestaltfaktor zu  >aktivieren bzw.  >aktualisieren vermögen. Es handelt sich um die gleichen Outputs, die diesen Gf in den ersten Lebenswochen gebildet haben. >Ontogenese

Gestalttendenz
AG:
= in der Leipziger Schule der Gestaltpsychologie  die Tendenz, Objekte und Objektteile in bestimmten, von den Reizbeziehungen abweichenden, Beziehungen wahrzunehmen.=>Prägnanztendenz in der Berliner Schule,
NG: --- (kein wiss. Begriff, entspricht aber de facto der >formativen Wirkung der >Gestaltfaktoren). 

Gestalttheorie
AG:
= eine andere Bezeichnung für "Berliner Schule der >Gestaltpsychologie" (von dieser selbst gewählt)
NG: ---

Gestaltwahrnehmung
AG: ---
(Wahrnehmung einer >Gestalt)
NG: Visuelle G. ist "eine Wahrnehmung, insofern sie nicht reine Sinneswahrnehmung ist, insofern sie also nicht aus der Lichtstärke (Leuchtdichte), der Wellenlänge des Lichtes, dem Ort der gereizten Netzhautstelle und dem Zeitpunkt der Reizung erklärbar ist. Es ist also eine G. in diesem Sinne, "Linie" zu sehen. Es ist eine G., "zwei" Gegenstände wahrzunehmen. Es ist eine G., "blau" zu sehen, wenn das Licht die Wellenlänge von 550 nm hat, denn bei dieser Wellenlänge müßte man, wenn die Wahrnehmung allein auf der Sinnesfunktion der Sehzellen beruhte, "grün" wahrnehmen." (KH 1992a, S.1-8)

Gruppierungsgesetz
AG:
= >Gestaltgesetz oder Gliederungsgesetz. Die Gestaltgesetze der AG wurden vor allem von Wertheimer (1923) an einer Mehrheit von Einzelfiguren (Gruppen) gefunden und später auf Einzelfiguren übertragen. >Figur/Umfeld-Verhältnis
NG: ---, kein gesonderter wiss. Begriff. Die Gestaltgesetze der NG gelten primär für Einzelfiguren, die durch einmalige Aktualisierung der Gfn-Hierarchie entstanden sind (Figuren 1. Ordnung), sekundär aber auch für komplexe Figuren, d.h.solche, die durch mehrfache Aktualisierung der gesamten oder von Teilen der Gfn-Hierarchie enstanden sind (Figuren höherer Ordnung), wozu auch als Ganzheiten aufgefasste Figuren-Gruppen gehören.  >Figur/Umfeld-Verhältnis

"gute Gestalt"
AG:
Als "ausgezeichnet" oder, "prägnant" wird eine Form genannt, in der sich alle oder viele >Gestalttendenzen bzw. >Prägnanztendenzen voll auswirken konnten. So ist z.B. ein Quadrat insofern eine "prägnante" oder "gute Gestalt", als seine Kanten "gerade" und "gleichlang" sind, "rechtwinklig" aneinander gefügt oder einander "parallel" verlaufend und vielleicht sogar "vertikal" bzw. "horizontal" ausgerichtet sind. Nach dem "Prägnanzgesetz"  "wird die psychologische Organisation inmmer so gut sein wie die vorherrschenden Bedingungen erlauben. In dieser Definition ist der Begriff 'gut' undefiniert." (Koffka 1935, S. 110).  
NG: --- (kein wissenschaftlicher Begriff; entspricht de facto der >normativen Wirkung eines Gf)

Hierarchie
hier im speziellen Fall:
AG: = Über- und Unterordnung z.B. von Bezugssystemen, aber auch im erlebten >Figur/Grund-Verhältnis
NG: = Über- und Unterordnung der nicht-erlebten >Gestaltfaktoren

ico-system
AG: ---
NG:
= das infield-contour-outfield system = >Infeld (i)->Kontur (c)->Umfeld (o)-System. (>Figur-Umfeld-Verhältnis)

impliziter / expliziter Lernprozess
AG:
kennt nur explizite Lernprozesse, d.h. solche, in denen Erlebtes eingeprägt wird. So entstehen >Erfahrungen, die erinnerbar sind.
NG: unterscheidet streng explizite von impliziten Lernprozessen. Diese verlaufen in der >funktionalen, jene in der >phänomenalen Sw. Nur explizit Gelerntes, also solches, das bereits erlebt worden ist, ist auch erinnerbar. Funktional Gelerntes ist nie erlebt gewesen, kann also auch nicht erinnert werden; es ist vielmehr die Grundlage erstmaligen Erlebens. Die >Gestaltfunktionen sind Gedächtnisinhalte, nämlich >funktional (unbewusst, vorbewusst) erlernte Beziehungen; erst bei ihrer >Aktualisierung wird das unbewusst Gelernte auch bewusst, d.h. erlebt; es wird zu einer >Gestaltqualität oder einem Komplex von Gestaltqualitäten.

Infeld
AG: ---
NG:
= das von einer >Kontur umschlossene >Feld einer >Figur. (>ico-System, >Figur/Umfeld-Verhältnis, >Umfeld)

informative Wirkung eines Gf
AG: ---
(Es wird nirgends gesagt, auf welche Weise die Objekte einigermaßen "veridikal" wahrgenommen werden. Es wird nur versucht, Abweichungen von der veridikalen Wahrnehmung zu erklären.)
NG:
= diejenige >phänomenale Wirkung eines >Gestaltfaktors, durch die der Wahrnehmende einigermaßen "veridikal" über seine Umwelt informiert wird. So wird er durch das Erlebnis einer >"Figur in ihrem Umfeld" qualitativ darüber informiert, dass sich da im Raum vor ihm ein "Objekt in seiner Umgebung" befindet. Die informative Wirkung hat auch einen quantitativen Aspekt, da die qualitative Wirkung von unterschiedlicher Deutlichkeit, Eindringlichkeit, Intensität sein kann.

Isomorphie
AG:
= "Gestaltidentität .... der anschaulichen Welt und ihres zentralphysiologischen Korrelats" (Metzger 1954, S. 299). Mit dieser Hypothese wird die Gestaltwahrnehmung erklärt. Köhler (1940) wurde konkreter und stellte die "Strömchentheorie" auf. Die aber musste als den Tatsachen widersprechend schließlich fallen gelassen werden.
NG: Isomorphie ist in der der ETVG übergeordneten "Theorie der Wirklichkeit" bzw. dem "Acht-Welten-Modell" (KH 2004) ein weitaus abstrakterer Begriff und betrifft die Gleichheit der Struktur (bei unterschiedlichen Inhalten) sowohl der vier >Evolutionsstufen als auch der vier >Seinsweisen. > Leib-Seele-Problem

Komplementarität
AG: ---
NG:
=die Beziehung von zwei unmittelbar benachbarten Bereichen (z.B. Retinabezirken) der >materialen Seinsweise, über die je zwei einander >antagonistischen >Gestaltfunktionen eines >Gf aktualisiert werden, die dann in benachbarten Gebieten des Wahrnehmungsfeldes ihre zwei >polaren >Gestaltqualitäten ins >Perzept geben.

Konstanzannahme
die von der AG so bezeichnete Hypothese ihrer Meinungsgegner (vor allem der von ihr so genannten "Elementenpsychologen"), nach der es eine feste Eins-zu-Eins- Beziehung zwischen einem >Sinnesreiz und der von ihm verursachten Empfindung / Wahrnehmung gebe.
Die AG lehnt diese Hypothese unter Hinweis auf die >Ganzheitlichkeit des Erlebens, insbesondere der >Übersummativität der >Gestaltqualitäten, ab, denn es ist kein Mosaik der Empfindungen feststellbar, das dem Mosaik der gereizten Rezeptoren entspricht.
NG: In der Terminologie der ETVG lautet dies folgendermaßen: Es gibt keine Eins-zu-Eins- >Korrelation zwischen einer Gg. der >materialen Seinsweise (z.B. Sinnesreiz) und einer Gg. der >phänomenalen Seinsweise (Empfindung, Wahrnehmungserlebnis).
Die NG postuliert dagegen andere Korrelationen: Es gibt Eins-zu-Eins-Korrelationen sowohl zwischen Ggn der materialen und der >funktionalen Seinsweise als auch zwischen Ggn der funktionalen und der phänomenalen Seinsweise. s. >Leib-Seele- Problem

Kontiguität
K. ist die räumliche und/oder zeitliche Zusammenbefindlichkeit von Ggn.
Ein Teil der damaligen Psychologen nahm an, dass es diese Kontiguität sei, die den Zusammenschluss (>Assoziation) von einzelnen Empfindungen zu ganzheitlichen Wahrnehmungen verursache.
Die AG trat dieser Ansicht vehement entgegen, weil sie den Gipfel der "Sinnlosigkeit" darstelle (ohne anzugeben, warum nur "Sinnvolles" eingeprägt werden könne (Metzger)
NG: Die Kontiguitäts-Hypothese wird akzeptiert, allerdings in veränderter Form: Es sind nicht Ggn der >phänomenalen Seinsweise wie Empfindungen/ Wahrnehmungserlebnisse, die sich gemäß dem K-Prinzip assoziieren, sondern Ggn der >funktionalen Sw.  >Gestaltgesetz, > impliziter Lernprozess

Kontingenz
= Beliebigkeit des Zusammenschlusses von Ggn. Ein Teil der damaligen Psychologen nahm an, dass die Empfindungen / Wahrnehmungen, die sich nach dem Prinzip der >Kontiguität assoziiere, von beliebiger Art seien.
Die AG lehnte diese Annahme ab. (Metzger 1954, S 96)
Die NG greift sie wieder auf, bezieht sie allerdings nicht (wie die AG) auf die >phänomenale, sondern auf die >funktionale Sw., in der die >Assoziationen, die >impliziten Lernprozesse, verlaufen. Für das visuelle System selbst - und auf dieses kommt es an - sind die Ggn, die sich assoziativ zusammenschließen, in der Tat völlig beliebig. Es sind irgendwelche Lichtreize, die  einen individuellen Photorezeptor zu einem beliebigen Zeitpunkt, mehrmals pro Sekunde, treffen. Dem Rezeptor ist es gleichgültig, um welche Reize es sich handelt. Eingeprägt werden halt nur diejenigen Reize samt ihren Beziehungen zueinander, die am häufigsten vorkommen. Nur für den externen Beobachter, den Wissenschaftler beispielsweise, sind die auftreffenden Lichtreize dagegen keineswegs beliebig. Sie stammen ja von den Objekten der Umwelt und haben daher ganz bestimmte Beziehungen zueinander, die denen zwischen den Objekten bzw. Objektteilen entsprechen. Die ETVG zeigt sehr genau, wie diese Objektbeziehungen sich einprägen und so zu einem einigermaßen veridikalen Perzept führen.

Kontur
AG: umgangssprachlich im Sinne von Grenze, Rand, Umrißlinie (s. >Feld)
NG:
= die gemäß >Gestaltfaktor Ll der 4. Stufe ein >Feld umschließende Grenzlinie (>Infeld, >Umfeld, >Figur, >ico-system, >Figur-Umfeld-Verhältnis).

Korrelation
AG:
Es wird Gestaltidentität zwischen dem anschaulichen Erleben und bestimmten kortikalen Vorgängen, dem "zentralphysiologischen Korrelat" angenommen, also eine Korrelation zwischen Materie und Bewusstsein.
NG: >materiale Sw. (Materie) und >phänomenale Sw. (Bewusstsein) sind nicht unmittelbar benachbart, vielmehr liegt "zwischen" ihnen die >funktionale Seinsweise. Diese trennt Materie und Bewusstsein voneinander, so dass weder unmittelbare kausale noch korrelative Beziehungen zwischen Materie und Bewusstsein bestehen können. Dennoch sind Materie und Bewusstsein über eben diese funktionale Sw., also mittelbar, auch miteinander verbunden. Denn auf der physischen Stufe sind nur die materiale und die funktionale Sw. und auf der psychischen Stufe nur die funktionale und die phänomenenale Sw. einander unmittelbar benachbart. Nur die Ggn der >"Welten" derselben >Ev.st. sind miteinander korreliert.

Leib-Seele-Problem
AG
; s. Metzger (1954, S. 276ff). Hier und in sämtlichen anderen bisherigen Theorien zum sogen. "Leib-Seele-Problem" werden höchstens zwei Entitäten (Substanzen, Faktengruppen) unterschieden: Materie (identisch mit Körper/Leib) und Bewusstsein  (identisch mit Seele und Geist )
NG: s. KH (2004) Im Gegensatz zu diesen bisherigen Theorien wird in der NG streng zwischen acht Entitäten unterschieden:  die >materiale Sw. ("Materie")  und die >phänomenale Sw ("Bewusstsein"), zu denen noch die >funktionale und die >ordinale Sw. hinzukommen, sowie vier >Evolutionsstufen: Kosmos, Körper, Seele und Geist. (Siehe "Die trialistische Lösung des Leib-Seele-Problems")

materiale Seinsweise
AG: ---
(kein wiss. Begriff, ist praktisch identisch mit "Materie")
NG:
= die >Seinsweise, die die kosmische und die physische >Ev.st. umschließt

Neurophysiologie des Sehens
Mainstream:
die Gesamtheit der Erregungen und neuronalen Verschaltungen der am Sehvorgang beteiligen Neurone.
Zu AG und NG siehe
"Ergebnisse der Neurobiologie"

normative Wirkung eines Gf
AG: ---
(kein wiss.>Begriff, aber praktisch identisch mit >"Prägnanz"
NG: s. >phänomenale Wirkung eines Gf.

Ontogenese
AG+NG:
Individuelle Entstehung und Entwicklung von Lebewesen bzw. von Organen oder Leistungsfähigkeiten lebender Systeme.
AG: macht keine Angaben über die Ontogenese der Gestaltwahrnehmung
NG: leitet die Entstehung der 10-stufigen Hierarchie von 25 >Gestaltfaktoren, auf denen die >Gestaltwahrnehmung beruht, als in den ersten Lebenswochen des Menschen individuell erworbene Gedächtnisinhalte ab.  (>Aktualgenese)

ordinale Seinsweise
AG: ---
NG:
eine vierte >Sw., die nicht unmittelbar in die visuelle Gestaltwahrnehmung involviert ist.

Orientierungsfaktoren
AG:
--- (siehe "gute Gestalt")
NG: die Gfn "Vertikalität (V), Horizontalität (H) und Schrägheit (T) auf der 7. Stufe der >psychischen Faktoren (Funktionen)

Persönlichkeitsschicht
AG:---
NG:
 = in diesem Zusammenhang: der "Niederschlag" einer Evolutionsstufe in der Persönlichkeit

Perzept
AG+NG: ein (subjektives) Wahrnehmungserlebnis auf Grund des Empfangs von Sinnesreizen, die, von Außenwelt-Objekten ausgehend, auf Sinnesorgane treffen.

phänomenale Seinsweise
AG: ---
(praktisch identisch mit >"Bewusstsein"
NG: Sie "besteht" aus der >Welt des Wahrnehmungsbewusstsein (PC) der psychischen >Ev.st. und dem geistiges Bewusstsein (ICC) auf der mentalen Ev.st.

phänomenale Wirkung eines Gf
AG: --- (praktisch identisch mit >Gestaltgesetz. Siehe auch >Gestaltfaktor
NG: Es werden drei bzw. vier phänomenale Wirkungen eines Gf unterschieden.

  1. Informative Wirkung
    a. qualitativ-informative W.: Jede spezifische >Gestaltqualität entspricht dem gerade >aktualisierten spezifischen Gf.
    b. quantitativ-informative W.: Die erlebte Intensität der Gestaltqualität entspricht der (relativen) Stärke der >Aktualisierung des Gf.
  2. Formative W: Die spezifische Gestaltqualität des Gf. wird etwas intensiver erlebt als (unter sonst gleichen Umständen) den Reizbedingungen entspricht (>Gestalttendenzen)
  3. Normative W: Die spezifische Gestaltqualität wird mit großer Intensität erlebt, vor allem dann, wenn sich die aktuellen Sinnesreize bereits in denjenigen Beziehungen zueinander befinden, die dem Durchschnitt aller vorkommenden Beziehungen entsprechen, die sich als Gedächtnisinhalte qua Gestaltfaktoren/-funktionen eingeprägt haben. In diesem Fall stimmen also Reizmuster und erlerntes Muster überein, und der Wahrnehmende hat den Eindruck: "Ja, so ist es schön und gut, so soll es sein, das ist, was ich erwarte." Gefühlshafte Erlebnisse solcher Art werden als  >"prägnant" bezeichnet.

Polarität
AG:---
NG:
Die Beziehung der beiden >Gestaltqualitäten einer >Qualitätsdimension zueinander, die durch antagonistische <Aktualisierung eines Gf. der untersten 5 Hierarchiestufen entstehen, z.B. Figur und Umfeld, Linie und Feld, Inhomogenität und Homogenität.

Prägnanz
AG:
P. ist der für die AG fundamentale "Begriff des strukturell oder formal 'Ausgezeichneten', der 'guten' oder 'prägnanten' Gestalt" (Metzger 1966, S. 738). "Der Begriff der Prägnanz ist nicht ersetzbar" (Metzger 1954, S. 111). "Das Prägnanzgesetz ist ein allgemeines, wenngleich zugegebenermaßen etwas vages Prinzip." (Koffka 1935, S.110) (>"gute Gestalt")
NG: --- (zur Bezeichnung des tatsächlichen gefühlsmäßigen Eindrucks von bestimmten wahrgenommenen Formen als "irgendwie ausgezeichnet" oder "gut" wird "prägnant/ Prägnanz" akzeptiert., nicht aber - in Übereinstimung mit früheren Kritikern- als ein wissenschaftlicher Begriff).
AG: (zu dieser Kritik): Die "Bedenken treffen aber den Begriff der Prägnanz nicht grundsätzlich, sondern nur im Hinblick auf den geschichtlichen Augenblick, auf den gegenwärtigen bzw. vor kurzem erreichten Stand der Analyse." (Metzger 1966, S. 738)

Prägnanztendenz
AG: = die Tendenz der Wahrnehmung zu sogen. >guten Gestalten". Der "Begriff der Prägnanztendenz" hat eine "tragende Rolle" (Metzger 1954, S. 208). s. auch >Gestalttendenzen
NG: P. entspricht der >formativen Wirkung eines Gf.

Psychophysisches Niveau
AG: der "Ort", an dem >neurophysiologische Vorgänge bewusst werden bzw. an dem oder über den der materielle Körper und die bewusste Seele miteinander interagieren.
NG: ---

Qualitätsdimension
AG: ---; aber  Metzger (1954, S. 147f) erwähnt  "in den konkreten Realsystemen des Anschauungsraumes die Mehrzahl der Dimensionen". "Das einfachste Maßverhältnis wäre die Maßgleichheit", Bezüglich der Winkligkeit der Hauptachsen: "Die einfachste Art ist die rechtwinklige", Im Falle der Krümmung der Systeme wäre der einfachste Bezugsfall die Geradlinigkeit". Eine konkrete Erklärung für diese Beziehungen erfolgte nicht.  
NG: = das Kontinuum möglicher, jeweils zueinander <polarer, >Gestaltqualitäten, die bei >antagonistischer >Aktualisierung eines Gf entstehen. Für den Bereich der Orientierungs- und Formfaktoren wurden u.a. Maßgleichheit (M), Geradheit (S), Rechtwinkligkeit (R+) und Parallelität (R-) jeweils als Korrelat des "Nullfalls" aller antagonistisch- entgegengesetzt aktualisierten Gestaltfunktionen eines Gestaltfaktors abgeleitet und damit konkret erklärt.

Quantitätsfaktor
AG: ---
NG:
die Gfn der 6. Stufe, durch deren Aktualisierung  kleine Mengen (nicht Anzahlen) von 1, 2, 3, 4 bis ca 7 Figuren ganzheitlich als "Einsheit" (nicht "Einheit" !)  "Zweiheit", "Dreiheit" usw. wahrgenommen und voneinander unterschieden werden können. (Ein "Zählen" von Anzahlen ist erst auf der mentalen Stufe möglich)

Reiz
AG
: i.S. von Sinnesreiz: "ausschließlich ein solches Geschehen...das unmittelbar an einer Sinneszelle  angreift." (Metzger 1954, S.217, Fußnote).
NG: Es wird unterschieden zwischen Sinnesreiz (= Reiz i.S. der AG) und >Gestaltreiz

Seinsweise
AG: ---
NG:
(gelegentlich auch "Seinsbereich" genannt) = in AWM und ETVG Bezeichnung für die vier "horizontalen" Unterteilungen der >Wirklichkeit, die "senkrecht" auf den vier "vertikalen" Unterteilungen, den >Evolutionsstufen, stehen. Im Laufe der Evolution der Wirklichkeit sind die >ordinale, >materiale, >funktionale und >phänomenale Sw entstanden, an die sich wieder die ordinale Sw anschließt (s. hier ).

Struktur
AG:
In der Berliner  Schule: = Gefüge, "Tektonik" des Erlebten, d.h. die "Eigenschaften der Anordnung oder des Aufbaues...einschließlich der Gliederung und der Gewichtsverteilung" (Metzger 1954, S.62f).
In der Leipziger Schule: = die erlebensjenseitigen ("transphänomenalen") Bedingungen des Erlebens, das "transphänomenale seelische Sein" (Wellek)
NG: Im Leipziger Sinne kann die >Welt der psychischen Funktionen (PF), d.h. die Hierarchie der >Gestaltfaktoren, als die erlebensjenseitige "Struktur" der Wahrnehmungserlebens (PC), d.h. des aus den >Gestaltqualitäten bestehenden >Perzepts, bezeichnet werden.
Acht-Welten-Modell: Siehe
Grundannahmen über die Struktur der Wirklichkeit

Subfaktor
AG:---
NG:
ein Unterfaktor eines Gf. Es ist z.T. willkürlich und eine Sache der Zweckmäßigkeit, ob man einen Faktor als Gf oder als einen Subfaktor eines Gf. zählt. So wird in der ETVG die Farbwahrnehmung Subfaktoren des Faktors Helligkeit (Pml) zugeschrieben; denn alle Farben sind hell, aber nicht alle Helligkeiten sind farbig. Die Farbwahrnehmung erfolgt danach auf wenigstens einer Hierarchiestufe höher als die Helligkeitswahrnehmung. Sie kann als eine Substufe der Helligkeitsstufe betrachtet werden. Auch wurden die Faktoren Q 1 bis Q 4 als Subfaktoren des Quantitätsfaktors Q angesehen.

Transponierbarkeit
AG+NG: Es "wird die Grundlage dieser >Ganzeigenschaften in dem Aufbau (dem 'System von Beziehungen' zwischen den Bestandteilen) der betreffenden Gebilde oder..... der zugrunde liegenden Reizmannigfaltigkeiten gefunden. Damit ist wenigstens grundsätzlich das Problem der Transponierbarkeit, und zwar gleich für fast sämtliche fraglichen Fälle gelöst" (Metzger 1954, S. 60). Ehrenfels (1890) wies auf Transponerbarkeit und >Übersummativität der Melodie hin, die gleichbleibe, auch wenn sie sich (bei "Transponierung" in eine andere Tonart) aus völlig anderen Tönen zusammensetze.

Übersummativität
AG+NG: = die Tatsache, dass eine >Ganzheit mehr Eigenschaften besitzt als der Summe der Eigenschaften ihrer Teile entspricht. >Gestaltqualität, >Ganzheit, >Transponierbarkeit

Umfeld
AG: --- kein wiss. Begriff
NG: = das eine >Figur umschließende >Feld (>ico-System; >Figur-Umfeld-Verhältnis; >Infeld; >Kontur)

Wahrnehmungsfeld
AG+NG:
= Gesichtsfeld, = das gesamte vor den Augen befindliche mit Helligkeiten, Dunkelheiten, Farben und/oder Strukturen ausgefüllte >Feld.
AG:
"Das Wahrnehmungsfeld ist nicht ein Nebeneinander ('Mosaik') unabhängig reagierender Leitungsenden, sondern ein 'Feld' im physikalischen Sinne. ...Es wird damit behauptet, daß die Vorgänge an den zentralen Enden der zuleitenden Bahnen nicht bloß nachträglich, durch besondere 'Assoziationsbahnen' miteinander 'in Verbindung gebracht' werden können, daß sie vielmehr überhaupt nicht im Innern einzelner, sie gegenseitig abschirmender Elementarorgane, sondern im gegenseitigen Kontakt stattfinden." (Metzger 1954, S. 260). Wenn es homogen ist, wird es als "Ganzfeld" (Metzger) bezeichnet.
NG: (ohne Bezug zur Physik)  (>Feld)

Welt
AG---
(kein wiss. Begriff)
NG: = eine der acht  "Schnittstellen" von >Evolutionsstufen und >Seinsweisen

Wirklichkeit
AG:---
(kein wiss. Begriff)
NG: = "Alles was ist"; Gegenstand des Acht-Welten-Modells, in dem die ETVG die erste ausdifferenzierte einzelwissenschaftliche Theorie darstellt.

Zurück zur Startseite